Krankenstand senken: Arbeitsbedingungen gezielt verbessern
Fehlzeiten richtig einordnen, Belastungen erkennen und die Rückkehr unterstützen – ohne Druck auf erkrankte Beschäftigte.
Wenn Menschen ausfallen, fehlen im Team Zeit und Unterstützung. Arbeitgeber können nicht jede Erkrankung verhindern. Sie können aber prüfen, ob Arbeitsmenge, Ausstattung und Abläufe zusätzliche Belastungen verursachen, und diese gemeinsam mit den Beschäftigten reduzieren.
Vergleichen Sie Zahlen mit derselben Grundlage
Die DAK-Gesundheit meldete für ihre erwerbstätigen Versicherten 2024 durchschnittlich 19,7 Fehltage und einen Krankenstand von 5,4 Prozent. Das sind Werte dieser Versichertengruppe, kein einheitlicher Durchschnitt für sämtliche Beschäftigten in Deutschland. Gegenüber 2023 war der Krankenstand leicht gesunken.
Für den eigenen Betrieb brauchen Sie eine konsistente Berechnung. Legen Sie Zeitraum und Bezugsgröße fest: Werden ausgefallene Arbeitstage oder Kalendertage gezählt? Welche Beschäftigten sind enthalten? Vergleichen Sie nur Werte, die nach denselben Regeln ermittelt wurden. Kleine Teams können bereits durch einen einzelnen längeren Ausfall deutliche Schwankungen zeigen.
Fehlzeiten zeigen nicht automatisch ihre Ursache
Eine höhere Quote in einem Team ist ein Anlass, genauer hinzusehen. Sie beweist weder schlechte Führung noch fehlende Motivation. Unterschiedliche Tätigkeiten, Altersstrukturen und einzelne Erkrankungen können den Vergleich beeinflussen. Auch häufige kurze Fehlzeiten erlauben keine pauschalen Rückschlüsse auf die Einstellung einer Person zur Arbeit.
Beginnen Sie bei überprüfbaren Arbeitsbedingungen. Gibt es regelmäßige Engpässe, häufige Unterbrechungen oder Tätigkeiten, für die Hilfsmittel fehlen? Besprechen Sie solche Beobachtungen mit den Beteiligten. Die Frage sollte sein, welche Belastung sich verändern lässt, nicht welche Diagnose hinter einer Abwesenheit steckt.
Wählen Sie Maßnahmen passend zur Belastung
Wenn körperliche Arbeit belastet, können geeignete Arbeitsmittel und angepasste Abläufe geprüft werden. Bei wiederkehrendem Zeitdruck lohnt sich der Blick auf Prioritäten, Besetzung und Übergaben. Ein freiwilliger Gesundheitskurs kann ein Angebot ergänzen, beseitigt aber keine ungünstig organisierte Tätigkeit.
Beziehen Sie je nach Thema die zuständigen Fachleute ein, etwa Betriebsarzt, Fachkraft für Arbeitssicherheit oder Interessenvertretung. Vereinbaren Sie zunächst eine überschaubare Veränderung und prüfen Sie nach einer festgelegten Zeit, ob sie den Arbeitsalltag erleichtert. Weitere Schritte behandelt der Beitrag zum betrieblichen Gesundheitsmanagement.
Rückkehrgespräche brauchen einen klaren Zweck
Nach einer Abwesenheit kann ein Gespräch helfen, den Wiedereinstieg zu organisieren. Welche Änderungen gab es im Team, welche Aufgaben stehen an und welche Unterstützung wird benötigt? Führen Sie das Gespräch so, dass die betroffene Person organisatorische Schwierigkeiten ansprechen kann. Medizinische Einzelheiten gehören nicht automatisch in ein solches Gespräch.
Ein Rückkehrgespräch ist vom betrieblichen Eingliederungsmanagement zu unterscheiden. Nach § 167 Absatz 2 SGB IX muss der Arbeitgeber ein BEM anbieten, wenn Beschäftigte innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind. Das Verfahren findet mit Zustimmung und Beteiligung der betroffenen Person statt; Ziele und Datennutzung müssen erklärt werden.
Auch das verbleibende Team braucht Entlastung
Wenn Aufgaben bei jeder Abwesenheit zusätzlich verteilt werden, kann die Belastung für die Kollegen steigen. Legen Sie fest, welche Tätigkeiten vertreten werden müssen und welche warten können. Eine Vertretung funktioniert besser, wenn Informationen und Zugänge schon vor dem Ausfall verfügbar sind.
Prüfen Sie, ob einzelne Personen dauerhaft als Ersatz einspringen. Besprechen Sie Aufgabenverteilung und Prioritäten offen. So bleibt sichtbar, welche Arbeit mit der vorhandenen Kapazität machbar ist. Hinweise zur Organisation finden Sie auch bei Schichtarbeit und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
Erfolg ist mehr als eine niedrigere Quote
Eine sinkende Fehlzeitenquote kann unterschiedliche Ursachen haben. Prüfen Sie deshalb zusätzlich, ob vereinbarte Maßnahmen umgesetzt wurden und wie Beschäftigte die Arbeitsbedingungen erleben. Eine starre Zielquote schafft wenig Orientierung, wenn dabei der konkrete Arbeitsplatz aus dem Blick gerät.
Vermeiden Sie Versprechen, ein einzelnes Programm senke Fehlzeiten garantiert um einen bestimmten Prozentsatz. Entscheidend ist, ob die gewählte Maßnahme zu einer festgestellten Belastung passt. Dokumentieren Sie Ausgangslage, Veränderung und Rückmeldungen, um die nächste Entscheidung darauf aufzubauen.
Häufige Fragen
Was ist ein normaler Krankenstand?
Eine allgemeingültige Zielzahl gibt es für den einzelnen Betrieb nicht. Tätigkeiten, Zusammensetzung der Belegschaft und Berechnungsmethode müssen berücksichtigt werden. Nutzen Sie Zeitvergleiche und passende Vergleichsgruppen als Orientierung.
Wie können Arbeitgeber konkret beginnen?
Prüfen Sie einen Arbeitsbereich mit wiederkehrenden Belastungen. Sammeln Sie Beobachtungen, sprechen Sie mit den Beschäftigten und vereinbaren Sie eine Veränderung mit klarer Zuständigkeit und einem Termin zur Auswertung.
Ist die Teilnahme am BEM verpflichtend?
Der Arbeitgeber muss das Verfahren bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen anbieten. Die Beteiligung der betroffenen Person setzt deren Zustimmung voraus.
Quellen: DAK-Auswertung für 2024, veröffentlicht am 27. Januar 2025; § 167 SGB IX. Quellen geprüft am 15. September 2026.
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