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In der Gastronomie wird viel gesucht und schnell wieder ersetzt. Wer stattdessen ein stabiles Team aufbaut, gewinnt doppelt: weniger Suche, bessere Gästeerfahrung. Laut dem DEHOGA-Zahlenspiegel 2025 verzeichnet die Gastronomiebranche eine Fluktuationsrate von über 60 Prozent pro Jahr – eine der höchsten aller Branchen. Gleichzeitig gaben in einer Befragung des ifo Instituts 72 % der Gastronomiebetriebe an, offene Stellen nicht mehr besetzen zu können. Der Ausweg liegt nicht in mehr Stellenanzeigen, sondern in einem Umdenken: Bindung vor Gewinnung.

Warum Gastronomie-Personal so schnell geht

Hohe Fluktuation in der Gastronomie ist keine Branchenschicksal, sondern oft eine Konsequenz vermeidbarer Faktoren:

  • Unberechenbare Dienstpläne: Kurzfristige Planänderungen, kaum planbare Freizeit, ständige Bereitschaft.
  • Mangelnde Wertschätzung: Service-Personal gilt als leicht ersetzbar – und wird so behandelt.
  • Gehalt unter Markt: Viele Betriebe zahlen Mindestlohn oder knapp darüber – in einem Markt, in dem Fachkräfte zunehmend Optionen haben.
  • Keine Entwicklungsperspektive: Wer nicht sieht, wie er in zwei Jahren noch hier ist, geht sobald etwas Besseres kommt.

Die gute Nachricht: Diese Faktoren sind alle beeinflussbar. Betriebe, die gezielt an ihnen arbeiten, halbieren ihre Fluktuationsrate – mit direktem Effekt auf Qualität und Wirtschaftlichkeit.

Verlässliche Schichtplanung als Bindungshebel

Dienstpläne sind das wichtigste Tool der Mitarbeiterbindung in der Gastronomie – und das am meisten unterschätzte. Betriebe, die Dienstpläne mindestens zwei Wochen im Voraus kommunizieren und Änderungen nur im absoluten Ausnahmefall vornehmen, haben nachweislich niedrigere Abgänge. Für Personal mit Familienverantwortung (Kinder, Pflegepflichten) ist Planbarkeit oft wichtiger als Gehalt.

Konkrete Maßnahmen: Dienstplan-Software einführen, die Mitarbeitenden ermöglicht, Wünsche einzutragen. Kernzeiten definieren (feste freie Tage, feste Schichten), die verlässlich gelten. Überstunden zeitnah ausgleichen – nicht auf das nächste Quartal verschieben.

Gehalt – was „fair" in der Gastronomie bedeutet

Mindestlohn ist Pflicht, nicht Marktstandard. Betriebe, die gezielt über Mindestlohn zahlen – auch wenn es nur 10–15 % mehr sind – haben im Wettbewerb um stabile Mitarbeitende einen messbaren Vorteil. Trinkgeld ist kein Gehaltsersatz und sollte im Gespräch nicht als solcher kommuniziert werden.

Zusatzleistungen, die in der Gastronomie besonders wirken: Verpflegung während der Schicht (kostenlos oder stark subventioniert), Fahrtkostenzuschuss, Gesundheitsleistungen (besonders für körperlich belastende Arbeiten), Dienstkleidung und Reinigung vom Betrieb übernommen.

Karrierepfade zeigen – auch in kleinen Betrieben

Auch ein Betrieb mit zehn Mitarbeitenden kann Entwicklungsperspektiven bieten: Serviceleitung, Sous-Chef, Ausbilder, Schichtführung. Wer das kommuniziert und lebt, schafft eine klare Antwort auf die implizite Frage jedes neuen Teammitglieds: „Wo bin ich hier in drei Jahren?"

Recruiting, das zur neuen Arbeitgeberqualität passt

Wer ein attraktiverer Arbeitgeber ist, sollte das auch kommunizieren. Konkrete Gehaltsspanne in die Anzeige, echte Benefits sichtbar machen, Bewertungen auf Kununu aktiv begleiten. Betriebe mit einem systematisch aufgebauten Arbeitgeberprofil erhalten signifikant mehr Bewerbungen als vergleichbare Anzeigen ohne Arbeitgeberprofil – und bessere. Für die Branche besonders wirkungsvolle Kanäle: Empfehlungen (Mitarbeitende als Netzwerk), soziale Medien (Einblicke hinter die Kulissen wirken authentisch) und lokale Kooperationen mit Schulen und Berufsschulen.

Wie gute Arbeitgeber das in der Praxis umsetzen, zeigt der Katalog der ausgezeichneten Betriebe — geprüft nach einer transparenten Methodik über vier Dimensionen.

Häufige Fragen

Wie findet man schnell Gastro-Personal?

Wirksam sind gastrospezifische Jobportale, Social Media mit echten Einblicken, Aushänge im Betrieb und vor allem Mitarbeiterempfehlungen. Da die Branche stark über persönliche Netzwerke funktioniert, sind Empfehlungen der schnellste Weg.

Wie gewinnt man Saisonkräfte für die Gastronomie?

Am effizientesten ist der Aufbau eines wiederkehrenden Saisonkaders: gute Saisonkräfte frühzeitig binden, in der Nebensaison Kontakt halten und mit kleinen Extras ans Haus binden. Das spart jedes Jahr erneute Einarbeitungskosten.

Wie reduziert man die Fluktuation in der Gastronomie?

Durch planbare Dienstpläne, faire Trinkgeldregeln, Wertschätzung und Entwicklungsperspektiven. In einer Branche mit über 60 % Fluktuation ist ein stabiles Team selbst schon ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Quellen: DEHOGA Zahlenspiegel 2025; ifo Institut, Fachkräfteerhebung Gastronomie 2025; DEHOGA-Bundesverband Ausbildungsbericht 2024.

Gastronomie-Recruiting: Welche Kanäle wirklich funktionieren

Für Gastronomie-Personal gelten andere Kanal-Prioritäten als in anderen Branchen. Was in der Praxis gut funktioniert:

  • Aushang im Betrieb: Klingt altmodisch – ist aber in frequentierten Lokalen effektiv. Gäste werden zu Empfehlern oder Bewerbern;
  • Instagram und TikTok: Gastronomie ist visuell. Wer zeigt, wie es in der Küche oder im Service wirklich ist, erreicht junge Kandidaten direkt dort, wo sie sich aufhalten;
  • Gastro-spezifische Portale: Gastrojobs.de, Hogapage.de und GastroJobs.de sind auf die Branche spezialisiert – oft mit höherer Bewerbungsqualität als generische Portale;
  • Mitarbeiterempfehlungen: Servicekräfte und Köche haben enge Branchennetzwerke. Wer Empfehlungen honoriert, aktiviert das effizienteste Recruiting-Netzwerk der Branche.

Saisonpersonal strukturiert managen

Für Saisonbetriebe – Terrassen, Biergärten, Urlaubsregionen – ist der Aufbau eines wiederkehrenden Saisonkaders strategisch sinnvoll. Wer jedes Jahr neue Saisonkräfte einarbeiten muss, zahlt jeden Sommer dieselben Einarbeitungskosten. Wer gute Saisonkräfte aktiv ans Haus bindet (frühzeitiger Vertragsabschluss, freundlicher Kontakt in der Off-Season, kleine Extras), spart erheblich. Mehr: Erfolgreiches Onboarding.

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